Weich und gewaltig

Benefizkonzert mit zwei ausgezeichneten Blasorchestern (aus dem Landsberger Tagblatt vom 16.11.2005)

Zwei meisterliche Blasorchester konzertierten am 12.11.2005 zugunsten der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg. Die hervorragenden Leistungen der Musiker sind zu einem guten Teil ihren beiden exzellenten Dirigenten zu verdanken, die die manchmal schwierige Akustik des Altarraums eines der Landsberger Wahrzeichen geschickt zu nutzen wussten, Zartes weich verhallen und Gewaltiges noch massiver erscheinen ließen.

Die Stadtkapelle Landsberg unter der Leitung von Fabian Schmidt und der Blasmusikverein Jettingen unter der Leitung von Dr. Rustam Keil waren die Ausführenden des Benefizkonzertes. Persönliche Kontakte von Fabian Schmidt zum vorherigen Dirigenten der Jettinger führte die beiden Klangkörper ursprünglich zusammen, mittlerweile gibt es unter den Musikern bereits private Bindungen.
Zum Auftakt des spätnachmittäglichen Konzerts spielte die Stadtkapelle Landsberg vier Sätze aus der Wassermusik von Georg Friedrich Händel in einem Arrangement von Frank Erickson. Ganz bewusst hat der Arrangeur wohl auf Höhen verzichtet, sodass die Musik zunächst ein wenig fremd klang, durch ihre tiefe Wärme allerdings einen majestätisch verwobenen Teppich ausbreitete. Ron Nelson hat sich bei den von ihm komponierten Tänzen alter höfischer Tonabfolgen und Rhythmen bedient. Die Stadtkapelle, deren Durchschnittsalter derzeit bei etwa 30 Jahren liegt, spannte den Bogen von der alten Zeit in die Moderne galant tänzerisch, sogar die Stimmbänder der Musiker kamen zum Einsatz. Ein witziges Stück ist Polish Christmas Music von Johan de Meij, einem bekannten Komponisten für Blasorchester. In mehreren Sätzen dürfen so gut wie alle Instrumente kleine Soli spielen und beschreiben so die Weihnachtsfreude der Polen auf unterschiedlichste Art.

Der zweite Teil des Konzerts gehörte dem Blasmusikverein Jettingen, der sich mit einem wahren Donnerschlag in die Ohren der Konzertbesucher spielte. Die Sonnenaufgangsfanfare aus "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauß ließ die sanierungsbedürftige Kirche schier in ihren Grundfesten erbeben, majestätischer und eindrucksvoller kann ein Tag kaum beginnen. Auch die weiteren Musikstücke der Jettinger waren sinfonische Dichtungen, widmeten sich klanglich beispielweise den vier bedeutenden Präsidenten Amerikas, die am Mount Rushmore verewigt sind. Der Hausberg der Luzerner, der sagenumwobene Drachenberg Pilatus fand bei Steven Reineke Eingang in eine Tondichtung. Dr. Rustam Keil führte seinen Blasmusikverein Jettingen gekonnt und sicher bergauf, die Musiker weckten den schlummernden Drachen mit unheilvollem Geklirr und besänftigten ihn auf musikalische Art wieder. Barbara Huttner war die einzige Solistin des Konzerts. Sie konnte bei "In Love with a Bugle" die Schönheit und Klangvielfalt eines Kornetts wunderbar zur Geltung bringen. Die Akustik der Kirche wirkte dabei förderlich und unterstützend.

Zum Abschluss des Nachmittags vereinigten sich die beiden Klangkörper im Altarraum der Stadtpfarrkirche und beendeten mit der Yorkshire Ballade von James Barnes das anspruchsvolle Konzert für den guten Zweck. 
  

Blasmusikverein Jettingen