Filmmusik aus dem Mittelalter
Frühjahrskonzert: Stadtkapelle Landsberg begeistert unter Walter Edelmann

Von MARCELLUS STEINHAUSEN

Landsberg – Das Denken der klassischen griechischen und römischen Antike war sehr anschaulich. Des Menschen Schicksal wurde gerne als Rad dargestellt, dass sich dreht. Mal ist das Glück oben, mal unten. Der Stadtkapelle Landsberg ist Göttin Fortuna gewogen. Hatte sie doch mit dem Dirigenten Walter Edelmann als Nachfolger von Fabian Schmid einen Glücksgriff getan. Wie das über 300 Besucher zählende Publikum am Samstag Abend im Schulzentrum an der Platanenallee feststellen konnte, ist das Einstandskonzert der Kapelle bestens gelungen.

Das Glück ist die Beherrscherin der Welt! Wer möchte das leugnen? Mit zwei Stücken aus der Carmina Burana, der mittelalterlichen Liedersammlung des Klosters Benediktbeuren, die Carl Orff im Jahre 1934 ans Tageslicht brachte und nach dem Fund sogleich vertonte, begann ein außerordentlich beachtenswertes Konzert der Landsberger Stadtkapelle. Mit genauer Hand, kräftig im Duktus und exakt in Phrasierung sowie Dynamik leitete der neue Dirigent dieses weltberühmte Stück.
Ein Stück Konfekt
Ebenso gelangen ihm und seinen Musikern die Kompositionen des ersten Teils des Konzerts, das der konzertanten Blasmusik gewidmet war. Reizend vor allem das „Augsburger Tafelkonfekt“ des Bachschen Zeitgenossen Valentin Rathgeber. Hier gab es überraschend hübsche Melodien, die im Arrangement für Bläser sehr gelungen wirkten. Die Komposition „Sword of Honour“ aus dem Jahre 2007 des jungen zeitgenössischen Komponisten Tom de Haes, Jahrgang 1979, wirkte in ihrer Struktur wie Filmmusik zu einem mittelalterlichen Spektakel.
Ganz besonders gelungen war der erste Auftritt der neugegründeten „capella landspergiana“. Verschiedene Tänze führte da dieses kleine Ensemble vor. Gewandet in den Kleidern der Zeit kam man sich ein bisschen vor wie Herzog Ernst als Zuhörer beim Ruethenfest.
Direkt ins Herz
Nach der Pause ging’s dann richtig flott weiter. Mit Polkas, Walzer und Märschen ganz aus der guten alten Zeit Kakaniens, wie Robert Musil in seinem berühmten „Mann ohne Eigenschaften“ die Donaumonarchie nannte, gewannen die Musiker schnell die Herzen der Zuhörer. Ob beim „Erzherzog-Albrecht-Marsch“ oder bei der „Annen-Polka“ von Johann Strauss, beim „Nachtschwärmer-Walzer“ oder beim „Vergnügungszug“. Alle Stücke wurden schmissig, mit der nötigen Emotion und sogar mit Gesang dargeboten.
Klar, dass bei diesen mitreißenden Vorführungen die Besucher noch mehr hören wollten. Und so durften die Musiker um ihren neuen Leiter Edelmann bei diesem Frühjahrskonzert nicht ohne Zugabe nicht nach Hause.

Der neue Leiter der Stadtkapelle, Walter Edelmann, dirigierte seine frisch gegründete „capella landspergiana“ zeitgetreu in Renaissancekleidung.
Foto: Steinhausen


Datum: 06.05.2008 10:38 Uhr [drucken]  [versenden]  [nach oben]